Reisen mit Kind und Lastenrad – so klappt´s!

Mit Kindern reisen bringt für die meisten Eltern sowieso schon Stress mit sich. Wenn wir davon erzählen, dass wir mit unserem Lastenrad Touren machen, reagieren die meisten mit viel Respekt. Viele fragen sich zum Beispiel, wie wir das mit dem Gepäck machen, denn viel kann man mit dem Rad ja nicht transportieren. Oder wie die Kinder das mit den längeren Touren finden. (Beinhaltet Werbung, Unbeauftragt!)

Auch wir haben uns vor unserer Reise natürlich auch einige Gedanken gemacht.

  • Wie lange können wir fahren, so dass es allen Spaß macht?
  • Haben wir genügend Kleidung dabei, damit die Kinder nicht frieren?
  • Was machen wir, wenn das Lastenrad den Berg nicht rauf kommt?
  • Was passiert wenn unser Knuff unterwegs einen Fieberkrampf erleidet?

Nun haben wir einige Erfahrung gesammelt und hier ein paar Tipps für euch zusammengestellt!

Das Wichtigste ist natürlich eine gute Vorbereitung der Reise.

Wie werden wir übernachten?

Zunächst müsst ihr euch entscheiden, ob ihr in festen Unterkünften übernachtet oder auch campen wollt. Wir haben uns für einen Mix aus Zelt, Jugendherbergen und Ferienwohnung entschieden. Die Frage ist deshalb sehr relevant, weil davon abhängt, wie viel Gepäck ihr dabei habt. Natürlich kommt beim Campen einiges an Gepäck dazu: Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Kochutensilien etc. Wenn ihr nicht zeltet, reichen die klassischen Radtaschen auf dem Gepäckträger und ihr kommt leichter voran. Wir haben gezeltet und entsprechend hat Thomas Radtaschen und Hänger gezogen. Das ist ohne Ebike an Bergen durchaus anspruchsvoll und das sollte man sich daher als erstes überlegen.

Wohin und wie weit wollen wir fahren?
  • Überlegt euch, wie weit ihr insgesamt fahren wollt. Bei uns waren das auf Hin- und Rückweg jeweils knapp 300km in 6 bzw. 5 Etappen. Auf dem Hinweg haben wir uns dafür 12 Tage Zeit genommen, auf dem Rückweg nur 5.
  • Macht nicht all zu lange Strecken für einen Tag. Bei uns liegt das Maximum normalerweise bei 60km, dann sind wir ca. 4-5 Stunden unterwegs. Einmal sind wir aber sogar über 90km gefahren. Zum Ausgleich gibt es auch mal Etappen mit knapp 30km, vor allem wenn es (mit dem Lastenrad) in die Berge geht.
  • Berücksichtigt bei der Planung entsprechend den Höhenverlauf ein – wir hatten ein Maximum von knapp 700 Höhenmetern am Tag und 200 Höhenmetern am Stück. Hier ist aber entscheidend, wie viel Gepäck ihr ohne E-Motor transportieren müsst.
  • Sucht euch sichere Routen raus mit möglichst vielen Radwegen und Seitenstraßen.
  • Baut ausreichend Ruhetage ein und bleibt auch mal ein paar Tage am selben Ort – vor allem wenn ihr so eine Reise zum ersten Mal macht.
  • Behaltet alternative Übernachtungsmöglichkeiten im Blick, damit ihr bei schlechtem Wetter oder geringerer Reisebereitschaft der Kinder die Route spontan anpassen könnt.

Für die Planung unserer Routen nutzen wir die App Komoot. In der Regel bekommt ihr dort die bestmögliche Verbindung mit dem Rad, wobei es sich immer lohnt, die vorgeschlagene Route noch mal kritisch zu überprüfen. Manchmal gibt es kürzere Wege und manchmal auch sicherere Optionen (z.B. eine Nebenstraße anstatt der Landstraße). Die Navigation während der Fahrt fällt mit der App auf jeden Fall sehr leicht.

Wie sieht die jeweils nächste Etappe aus?
  • Neben der Planung der gesamten Route haben wir dann immer jede Route noch mal individuell vorbereitet. Dabei stellt sich zum Beispiel die Frage, zu welcher Tageszeit man fährt: gleich früh morgens, über Mittag oder in den Abend rein?
  • Das hängt natürlich vor allem von der Länge der Tour ab. Hinzu kommen Faktoren wie das Wetter und die Attraktivität des Start- und Zielortes speziell für die Kinder. Ist der Badesee am Zeltplatz toll und das Wetter super, bleibt man natürlich eher noch ein bisschen dort.
  • Schaut, dass ihr kurz vor dem Ziel einen Supermarkt einplant, zumindest wenn ihr euch selbst verpflegen wollt. Viele Zeltplätze haben auch kleine Läden, da hilft es häufig, sich vorher über die Möglichkeiten vor Ort zu informieren.
  • Plant Pausen an schönen Plätzen wie einem Badesee, einem attraktiven Spielplatz oder einer Eisdiele ein.
Was kann man vor Ort machen?
  • Es schadet sicher nicht, sich ein paar Ausflugsmöglichkeiten an den Zielorten zu überlegen. Unsere Erkenntnis ist aber, dass die Reiseform als solche schon meist so erlebnisreich ist, dass es dann häufig gar keinen großen Ausflug mehr gebraucht hat. Das hängt natürlich davon ab, wie lange ihr an einem Ort seid.
  • Nehmt dennoch ein paar Spiele für die Kinder mit, die möglichst wenig Platz weg nehmen – vor allem für die Regentage. Häufig kann man aber vor Ort auch Spiele ausleihen – zum Beispiel in den Jugendherbergen, manchmal aber sogar auf den besser ausgestatteten Campingplätzen. In Meersburg waren wir in der lokalen Bibliothek, wo wir für gerade mal 1,50 € beliebig viele Bücher und Spiele ausleihen konnten. Wir haben zudem auch ein paar Bücher, die wir zu Hause haben, abfotografiert und auf unserem Tablet mitgenommen.
  • Apropos Regen: 1 Tag mit Regen lässt sich meist gut gestalten, man macht gemütlich, liest und spielt etwas. Irgendwann muss man dann aber doch raus und da ist gute Regenkleidung inkl. Schuhen, die Matsch aushalten sehr wichtig. Bei Campingplätzen gibt es zudem häufig Aufenthaltsräume, die man nutzen kann.
  • Überlegt euch, wie ihr unterwegs oder vor Ort mobil sein möchtet. Mit zwei kleinen Kindern kann das ganz schön herausfordernd werden, denn die Möglichkeiten mit dem Rad sind begrenzt. Wir haben den Croozer Gepäckanhänger verwendet. Der lässt sich nämlich als Bollerwagen umbauen. Allerdings ist der eigentlich nicht zur Beförderung von Kindern gedacht und kann kippen, wenn die Kinder sich bewegen. Trotzdem hat sich der Croozer absolut bewährt, da er als Hänger einwandfrei läuft, ne Menge reinpasst und man eben auch eine Option für die Ausflüge vor Ort hat.
Was wollen wir mitnehmen?
  • Für uns war es ein längerer Prozess herauszufinden, was wir eigentlich brauchen und was nicht. Gerade wenn man mit Zelt unterwegs ist, bleibt nicht viel Platz für anderes. Darum haben wir uns da immer wieder Gedanken gemacht, Dinge weggelassen und nach neuen Ideen für bessere Lösungen gesucht.
  • Grundsätzlich gilt: Packt nicht zu viel ein! Ihr sied in aller Regel nicht komplett aus der Welt. Ihr könnt unterwegs auch mal etwas waschen oder auch besorgen, wenn es doch ganz dringend notwendig ist. So haben wir zum Beispiel auf einer Tour in Wolfratshausen spontan noch Matschhosen für die Kinder gekauft, weil wir gemerkt haben, dass die doch nötig sind.
  • Packt bestenfalls frühzeitig, oft fehlt dann doch noch etwas oder die Kinder werden krank und man kommt zu nichts mehr. Was WIR alles einpacken, verraten wir demnächst in einen separaten Beitrag.
  • Wir können die App Wunderlist empfehlen. Darüber haben wir eine Packliste erstellt, auf die wir beide zugreifen können. So könnt ihr alles erledigte abhaken, ergänzen und beim nächsten Mal wieder verwenden.
Was wollen wir essen?
  • Mit dem Rad sind die Mitnahmemöglichkeiten eher begrenzt. Daher ist es sinnvoll, sich vorab ein paar Rezepte zu überlegen um entsprechendes Equipment einzupacken. Auch ist es sicher von Vorteil, insofern du deine Rezepte nicht eh alle im Kopf hast, dir vorab welche auf dem Handy abzuspeichern.
  • An den Campingplätzen gibt es häufig immer dasselbe Essen: Pommes, Schnitzel, Bratwurst, Fertigpizza. In der Jugendherberge besteht das Essen meist aus Fertiggerichten. Dann ist es gut, wenn man zwischendurch entweder gezielt ein Restaurant mit einer anderen Küche ansteuert oder eine Hand voll Rezeptideen jenseits von Pasta und Spaghetti in Petto hat.
Wie stellen wir die Stromversorgung sicher?
  • Man glaubt es kaum, aber Strom kann auf so einer Reise tatsächlich zu einer knappen Ressource werden. Das liegt vor allem daran, dass wir vor Ort immer zuerst den Akku des Lastenrads aufgeladen haben. Häufig hat man auf einem Campingplatz aber nur eine Steckdose und die ist dann erst mal stundenlang besetzt. Oder es regnet und man sitzt im Zelt und möchte nicht andauernd raus, um das nächste Gerät dran zu hängen. Wir hatten eine kleine Powerbank dabei, werden uns nun aber für weitere Reisen eine zweite etwas stärkere zulegen, um Geräte parallel laden zu können und mehr Reserven zu haben.
  • Wenn ihr das Handy für die Routenführung unterwegs nutzt – etwa über die Komoot-App, dann sollte das Handy auf jeden Fall voll geladen sein, wenn ihr losfahrt.
Bindet die Kinder vorher mit ein!
  • Die beste Vorbereitung für Kinder sind unser Meinung nach Bücher. So können sie sich bildlich etwas darunter vorstellen, wo die Reise hingeht, man kommt miteinander ins Gespräch und sie können sich ein bisschen auf das Abenteuer einstellen. Eine kleine Auswahl unserer Bücher folgt ebenfalls demnächst.
  • Überlegt euch gemeinsam, welche Art von “Spiel” sie unterwegs dabei haben wollen. So ist die Enttäuschung nachher nicht groß. Wir haben unterwegs erfahrungsgemäß überhaupt nichts gebraucht, aber da ticken die Kinder und deren Erwartungen ja ganz unterschiedlich.
Macht erst kurze Probetouren!

Bevor wir unsere größere Reise von München an den Bodensee durchgeführt haben, haben wir erst mal zwei Testläufe mit einer zweitägigen und einer einwöchigen Tour im Münchner Umland gemacht. So bekommt man ein Gefühl dafür, welche Dinge wirklich gebraucht werden und welche nicht, wie weit und in welchem Reisetempo man gut fahren kann, wie man sich unterwegs und vor Ort organisiert etc.

Sollten ihr noch Fragen haben kommentiert gerne den Beitrag oder schreibt uns eine Mail.

Tanja & Thomas


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen